Darstellungsformen

Aus MedienWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Darstellungsformen oder Formen nennen wir die journalistischen Textsorten. Sie sind abzugrenzen von den journalistischen Formaten.

Begriff

Ein älterer Begriff für dieselbe Sache lautet Stilformen; er stammt von Emil Dovifat (1890–1969). Aus der DDR-Journalistik stammt die Genre-Theorie.

Grundsätzlich gelten die Trennungsregeln: die Trennung von Information und Meinung einerseits, die Trennung von redaktionellem Teil und Werbung andererseits.

Darstellungsformen beantworten in der Regel die journalistischen W-Fragen.

Informationsorientierte Formen

Meldung heißt die kürzeste der informierenden Darstellungsformen. Typische Meldungen: Kurznachrichten (Börsenmeldungen, Veranstaltungshinweise).

Von der Meldung unterscheidet sich die Nachricht nur in der Länge. Sie kann bereits eine kurze Erläuterung, weitere Einzelheiten oder die Vorgeschichte in wenigen Sätzen enthalten. Länge: bis 1000 Zeichen.

Der Bericht ist länger und ausführlicher (über 1000 Zeichen). Er kann nach der sachlichen Wiedergabe der aktuellen Ergebnisse ins Detail gehen, die Vorgeschichte (kurz gefasst) und eine Vorschau auf die nächsten Schritte (z. B. bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung) bringen: „Der Vorstandsvorsitzende kündigte an, …“.

Die Reportage kombiniert Beobachtungen mit fundiert recherchiertem Hintergrundwissen. Dabei wird nicht nur die Sichtweise einer der beteiligten Parteien wiedergegeben. In einer Reportage müssen alle Beteiligten zu Wort kommen.

Die umfassende Recherche ist stellt die Basis dieser Darstellungsformen dar. Sie wird ergänzt durch die Gegenrecherche: Stimmt das, was der Politiker, der Experte, der Pressesprecher erzählt? Die Gegenrecherche ist oft eine Vor-Ort-Recherche: Der Journalist spricht mit den Bürgern, die jetzt noch in diesem Stadtteil wohnen und erfährt: Nach der Sanierung werden die Mieten teurer werden. Während der Umbauarbeiten müssen viele Mieter aus ihren Wohnungen ausziehen. Es ist nicht sicher, dass sie hinterher wieder in die alte Wohnung einziehen können, weil die Wohnungen teilweise zusammengelegt werden und die Aufteilung hinterher ganz anders sein wird. Er notiert die Stellungnahmen der Anwohner, sieht sich auch die Gegend und mehrere Wohnungen an.

Das Interview liefert keine Hofberichterstattung des Politikers, keine Glorifizierung des Popstars, sondern zeigt die interviewte Person von einer neuen Seite, stellt auch Fragen, deren Antwort dem Journalisten nicht vom Pressereferenten in den Mund gelegt wurden, und hakt nach.

Beim Gespräch diskutieren mehrere Gesprächspartner ein Thema. Der Journalist ist gleichberechtigter Gesprächsteilnehmer; er steuert freilich den Ablauf. Plauderton ist zulässig; den Gesprächspartnern wird mehr Zeit (und Platz) eingeräumt als beim Interview.

Eine Persönlichkeit wird im Porträt vorgestellt, Biografie und Bedeutung werden, verteilt auf mehrere Dokumente, skizziert.

Ein Feature schlägt den Bogen vom detailreichen Einzelfall zum Grundsätzlichen, „Überzeitlichen“: die typische Form für Hintergrundinformationen, die über den aktuellen Anlass hinaus von Interesse sind. Das Wort Feature bedeutet ursprünglich: typischer, charakteristischer Gesichts- oder Wesenszug.

Meinungsorientierte Formen

Dem Leserwunsch nach Orientierung kommen die meinungsbetonten Darstellungsformen nach. Sie liefern Hintergrund und helfen in der zunehmenden Informationsflut beim Einordnen von Details. Ein Beispiel dafür ist die Darstellungsform mit der etwas irreführenden Bezeichnung „Korrespondentenbericht“. Diese Form des Hintergrundbeitrags nennt Ross und Reiter, deckt Interessen der Beteiligten auf und wagt Einschätzungen und Ausblicke.

Journalistisch aufgebaute Kommentare sind mehr als pure Meinungsäußerung. Sie bringen ihre Meinung geordnet zum Ausdruck und gehen auch auf Gegenargumente ein.

Wird eine Sache beurteilt und dabei gleichzeitig vorgestellt, spricht man von einer Kritik. Kritiken haben einen direkten Nutzwert für den User: Soll ich das Buch kaufen? Soll ich den Film ansehen? Lohnt sich das Konzert? Soll ich am Wochenende in dieses oder lieber in ein anderes Lokal zum Essen gehen? Dabei verbinden sich Information und Meinung zu einem Text von praktischem Nutzwert für den Leser.

In der Glosse wird ein Thema auf spielerische Weise sprachlich und inhaltlich von allen Seiten gedreht und gewendet. Sie setzt Witz und Sprachkompetenz voraus.

Servicetexte, Ratgeber-Beiträge, Nutzwert-Journalismus sind Bezeichnungen für den wachsenden Bereich der praktischen Lebenshilfe im Journalismus. In der klassischen Journalismus-Lehre kamen sie bislang kaum vor. Christoph Fasel, Leiter der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule, hat für diese Textgattung die Bedeutung des Nutzwerts herausgestrichen . Da dieses Format zu den häufigsten Anforderungen für Fachjournalisten zählt, ist ihm ein eigener Abschnitt gewidmet.

Ebenfalls häufig verlangt werden Magazinbeiträge. Sie ähneln Reportagen, verbinden häufig Service-Elemente mit Unterhaltendem und folgen nicht ganz so strengen Regeln für den Aufbau.

Boulevard-Journalismus schließlich verlangt vor allem Gespür für Themen und Verständlichkeit. Deshalb bietet er eine gute Schule für den angehenden Fachjournalisten. Mit der zunehmenden Boulevardisierung aller Medien gewinnt er überdies mehr und mehr an Bedeutung.

Zu den journalistischen Trennungsregeln zählt nicht nur das saubere Trennen von Information und Meinung. Grundlegend ist auch die Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung. Sie ist in den einschlägigen Gesetzen festgelegt. Darüber hinaus verpflichtet der Pressekodex des Deutschen Presserats Journalisten und Redaktionen von ihrer journalistischen Berufsethik her dazu.

Literatur