Glosse

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In diesem Genre kann der Journalist sich mit ‚spitzer Feder austoben’. Wie der Kommentar ist die Glosse ein subjektiver Meinungsartikel, es sollte also an überzeugenden Argumenten nicht fehlen. Der Ton unterscheidet sich aber erheblich: Zählen beim Kommentar das Für und Wider der bloßen Fakten, ist die Argumentation bei der Glosse polemisch überspitzt, die Sprache pointiert, satirisch, witzig und voller Wortspiele.

Hat der Schreiber großes literarisches Talent und einen breiten Humor, so kann er in Form einer Glosse über Gott und die Welt schimpfen, politische Machenschaften entlarven und verspotten, ja gar den berühmten Zeigefinger erheben und in offene Wunden der Gesellschaft legen. In keiner anderen Stilform ist sprachlich und inhaltlich soviel möglich: Tabus dürfen gebrochen und Dialekte gebraucht werden.

Als stilbildendes Exemplar dieser kürzesten und daher schwersten Gattung gilt die Kolumne Streiflicht auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung. Journalistische Glossen werden verfasst sowohl zu lustigen als auch zu ernsten Themen, zu „großen“ weltpolitischen ebenso wie zu „kleinen“ lokalen Ereignissen. Besonders reizvoll kann es sein, eine scheinbar nebensächliche lokale Begebenheit in eine „größere“ Thematik einzubetten.

Eine Glosse ist

  • witzig bis bösartig
  • ironisch bis sarkastisch
  • überzeichnet bis überzogen
  • spitzzüngig bis bissig

Typische Merkmale einer Glosse:

  • verblüffende Überschrift
  • Eleganz des Textes
  • Wortspiele und Wortkreationen
  • überraschender Schlussgag
  • Komik
  • Ironie
  • Übertreibung

Die ursprüngliche Bedeutung von Glosse ist „Randbemerkung“, entsprechend kurz wird sie in den Zeitungen gehalten. Von den anderen Artikeln in einer Zeitung hebt sie sich durch die äußere Form ab – sie ist meist in einem Kasten platziert oder in Kursivschrift gedruckt

Eine Sonderform bildet die journalistische Sprachglosse. Sie kommentiert Erscheinungen des zeitgenössischen Sprachgebrauchs mehr oder minder kritisch und setzt sie dann oft auch in Beziehung zu allgemeineren kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Literatur

Werner Nowak, Edmund Schalkowski: Kommentar und Glosse, Konstanz (UVK)

Gabriele Hooffacker, Klaus Meier: La Roches Einführung in den praktischen Journalismus. 20. Auflage. Wiesbaden (Journalistische Praxis) 2017, Website mit weiterführenden Informationen zum Beruf

Pormbka, S. Kritiken schreiben: Ein Trainingsbuch

Cappon/Fleckenstein: Associated Press-Handbuch. Journalistisches Schreiben

Clark/Winter: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben - Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter

Schneider, W. : Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt

Links

http://www.anleitung-zum-schreiben.de/texte-schreiben/kommentar-schreiben/

http://www.journalismus.com/_talk/showthread.php?p=71971