Nutzwertjournalismus

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Wer ein neues Auto kaufen will, wird sich vorab eingehend informieren und Testberichte verschiedener Marken studieren. Oder wenn eine neue Kaffeemaschine ins Haus kommt, ist man oft froh über eine ausführliche Bedienungsanleitung, die einfach und logisch erklärt, wie man in den Genuss eines Espressos kommt.

Das Service-Heftchen, das man dabei in der Hand hält, hat einen hohen ‚Nutzwert’. Geschrieben von einem Journalisten, dessen Anliegen es ist, den Leser in einer Handlungsabsicht zu unterstützen. Das maßgebliche Unterscheidungsmerkmal des Nutzwertjournalismus gegenüber anderen journalistischen Formen ist der dezidiert praktische Nutzen für den User.

Drei häufig miteinander verbundene Funktionen des Nutzwertjournalismus sind:

  • Hinweise geben
  • Orientierung verschaffen
  • Rat geben.

Vor allem bei Investitionsgütern (Waschmaschine, Auto), Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen (Versicherungen, Wahl des Arbeitgebers) oder solchen mit grundlegender Bedeutung (Berufswahl, Erziehungsmethoden) liefern Übersichten wichtige Grundlagen für den Leser.

Die Ratgeberfunktion hilft im Sinne einer Wenn-dann-Logik dabei, in der aktuellen Situation eine Entscheidung zu treffen. Auch können konkrete Handlungsanweisungen gegeben werden, z.B. in Form von Informationen und Ratschlägen, die den Leser an die Hand nehmen und ihn sicher zu einem bestimmten Ergebnis führen.

Im so genannten Infotainment kommt eine unterhaltende Komponente dazu, d.h. beim Rezipienten mischen sich unterhaltende und informierende Eindrücke. Als unterhaltend empfundene Komponenten sind jedoch kein Pflichtbestandteil von nutzwertjournalistischen Beiträgen.

Nutzwertjournalismus richtet sich an

  • Verbraucher, Kunden bzw. Käufer.
  • Nutzer, Bediener oder Anwender von Geräten und Funktionen.
  • Menschen, die in einer Sache Rat suchen

Inhalte im Nutzwertjournalismus sind

  • Tipps, Ratschläge
  • (Spiel-)Regeln
  • Checklisten
  • Marktübersichten
  • Entscheidungsbäume, Flussdiagramme, Ablaufschemata
  • Tests (genormte oder technische Waren- /Dienstleistungstest), Testtabellen
  • Fragen und Antworten, häufig gestellte Fragen (FAQ)
  • Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Bedienungsanleitungen
  • Leser fragen, Experten antworten

Das Gebiet des Verbraucher-Journalismus überschneidet sich in vielen Bereichen mit dem des Nutzwertjournalismus. Das Hauptmotiv der Verbraucherschützer ist jedoch, Schaden vom Verbraucher abzuwenden, sowie eine politische Einflussnahme im Sinne einer Gesetzesänderung zu erwirken, z.B. eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Der Stellenwert des Nutzwertjournalismus steigt beständig mit der Entwicklung der Gesellschaft. Das Leben der Menschen wird komplexer: die Zahl technischer Geräte wächst, ihre Bedienung wird eher komplizierter als einfacher. Ebenso steigt die Zahl der Märkte, in denen Verbraucher sich zurecht finden müssen.

Gleichzeitig wächst die soziale Verantwortung (z.B. höhere Anforderungen bei der Kindererziehung und an die soziale Kompetenz von Arbeitnehmern), sowie die Eigenverantwortung (für Altersversorgung, Krankenversicherung). Eine immer stärkere Flexibilisierung der Gesellschaft in der es gilt, verschiedene Lebens- und Arbeitsrollen miteinander verbinden, führt oft zu Verunsicherung, in der man froh über guten Rat ist. Hier kann der Nutzwertjournalismus gute Dienste leisten.