Puppenspieler

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Sie haben die Fäden in der Hand. Mit flinken Fingern und geschickt-schwungvollen Armbewegungen lassen sie die Marionetten auf der Bühne tanzen, springen, behutsam schreiten oder sich wütend schütteln.

Aufgaben:

Von der sogenannten Spielbrücke aus führt und lenkt der Puppenspieler die Holzmarionette auf der Bühne. Meist steht er dazu in gebückter Haltung über dem Bühnenraum, zieht hier und dort an den Fäden und bewegt dadurch Kopf, Arme oder Beine der Figur. Mit anhebenden oder absenkenden Bewegungen lässt er sie springen, purzeln oder sich drehen. Da ist Körpereinsatz gefragt. Die Arme, Hände und Finger müssen stets gespannt und kontrolliert bewegt werden – und das, bei den Proben oftmals stundenlang. Aber auch die Beine und Füße des Puppenspielers tragen zum Gelingen bei. In rhythmischen kleinen Schritten muss er sie aufsetzten, um die Marionette auf der Bühne sachte und nicht ruckartig zu bewegen. Nicht zuletzt kommt auch seine Stimme zum Einsatz. Sie ertönt dunkel und bedrohlich wenn der Räuber Hotzenplotz auf die Bühne kommt oder hell und freundlich, wenn Mozarts Vogelfänger Papageno singend seinen Auftritt hat. Oberstes Gebot: Die Schnüre dürfen sich nicht verheddern – weder die der eigenen Figur noch die von mitspielenden Figuren auf der Bühne. Sollte dennoch einmal eine Figur an einem Vorsprung hängenbleiben, muss die Schere schnell gezückt werden. Auch das kommt vor.


Ebenso wie etwa bei einem Staatstheater mit Schauspielern, übernimmt auch bei einem Puppentheater ein Intendant die Programmgestaltung. Ein Autor adaptiert Geschichten, Theaterstücke oder Märchen und macht aus ihnen Puppentheaterstücke. Dabei werden nicht nur Kinderstücke und Kasperletheater auf die Bühne gebracht. Von Mozarts Zauberflöte bis hin zu Shakespeare-Dramen oder modernen Stücken werden auf Marionettenbühnen die unterschiedlichsten Stücke gespielt. Der Regisseur überlegt sich, wie das Stück umgesetzt werden kann, der Puppenbauer gestaltet, schnitz und formt die Figuren; der Kostümbildner schneidert die Miniaturkostüme und der Bühnenbildner entwirft und baut das Bühnenbild. Und auch Beleuchter, Tontechniker und Komponist werden bei einem Marionettenstück gebraucht. Je nachdem wie groß das Puppentheater ist, wird der Text bei der Aufführung über ein Playback-Tonband abgespielt oder von den Puppenspielern live gesprochen. Neben Marionetten-Figuren führt der Puppenspieler auch Handpuppen, Stockpuppen, Tischfiguren, Schattenfiguren oder spielt mit Masken.

Voraussetzungen:

Da sich der Puppenspieler stets viel bewegen muss, ist eine gute körperliche Verfassung bei diesem Beruf gefragt. Bei den Aufnahmeprüfungen für ein Puppenspielstudium werden oft ein ausdruckstarkes Schauspiel, fantasievolle Darstellung, Improvisationstalent und eine gute Stimme erwartet. Mit wenigen Handbewegungen muss der angehende Puppenspieler dabei Dinge und Figuren zum Leben erwecken. Darüber hinaus sind Teamfähigkeit, Kreativität, großes Engagement und künstlerisch-gestalterische Fähigkeiten gefragt. Einstellen sollte man sich auch auf flexible beziehungsweise unregelmäßige Arbeitszeiten.

Ausbildung:

In der Regel führt ein Studium in den Beruf des Puppenspielers. Voraussetzung ist dafür einerseits das Abitur (allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife) und das Bestehen einer Aufnahmeprüfung. In dieser müssen die Bewerber eine Schauspiel- und eine Puppenspielszene vorführen, ein Lied und einen Sprechtext vortragen. Im praxisorientierten Studium werde zunächst die Grundlagen in Animation, Puppenspiel und Schauspiel gelernt. In höheren Semestern entwerfen und entwickeln die Studenten eigene Inszenierungen und setzten diese selbständig um. Auf dem Studienplan stehen darüber hinaus Fächer wie etwa: Gesang, Sprechen, Puppenspieltechnik, Akrobatik, Pantomime, bildnerische Gestaltungslehre, Theatergeschichte und Puppentheatertheorie. An der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin kann der Studiengang Zeitgenössische Puppenspielkunst studiert werden und an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart das Fach Figurentheater. Das Studium dauert etwa acht Semester und schließt mit einem Diplom beziehungsweise mit einem Bachelor ab. Allgemein zugängliche Puppenspielkurse werden vom Figurentheater-Kolleg in Bochum angeboten.

Arbeitsmöglichkeiten:

Puppenspieler können sich für eine Bühnenanstellung bei einem Marionetten- oder Puppentheater bewerben. Aber auch bei Film- und Fernsehen können passende Stellen ausgeschrieben sein; beispielsweise bei Kindersendungen mit großen Kuscheltierfiguren. Eine weitere Möglichkeit ist es als freischaffender Puppenspieler zu arbeiten oder ein eigenes Ensemble zu gründen und damit auf Tour zu gehen. Da Puppenspieler aber auch eine künstlerisch-schauspielerische Ausbildung mitbringen, können sie sich auch als Schauspieler oder Performer arbeiten, sich als Regisseur, Autor oder Dozent versuchen. Ein relativ neues Arbeitsfeld liegt im therapeutischen Puppenspiel. Grundsätzlich steht es um die Arbeitsplätze der Puppenspieler jedoch nicht sonderlich gut – es gibt wenige und oft sind sie zudem nicht sonderlich gut bezahlt.

Weblinks: