Recherche

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Im seriösen Journalismus ist die umfassende Recherche unabdingbare Pflicht. Oft gewinnt man allerdings beim Lesen diverser Artikel den Eindruck, dass die Redaktion Recherche bestenfalls als lästige Kür betrachtet, die man leicht auch vernachlässigen kann. Das ist ein Trend unserer schnelllebigen Zeit, in der Nachrichten ebenso schnell wieder vergessen werden, weil sich bereits eine neue Sensation ankündigt. Gemäß dem Motto: ‚Who wants yesterday papers?’ Ende des 19. Jahrhunderts ist der Recherchejournalismus entstanden, hauptsächlich in den USA und England aufgrund von wachsendem Aufklärungsinteresse und einem Zuwachs an Pressefreiheit. Seitdem ist die Recherche fest verankert in einem Journalismus, der seine Glaubwürdigkeit durch Erfüllen der Sorgfaltspflicht erhält. Zu Recherchieren bedeutet, etwas in Erfahrung zu bringen. Bilder sind Belege zur Unter-stützung der Aussagen - sie können die Aussagen selbst nicht ersetzen!

Ablauf einer Recherche

  • Abklären der Relevanz
  • Überprüfen der Anfangsinfo
  • Überprüfen des eigenen Wissensstandes
  • Frage nach dem Warum? Hypothese bilden und überprüfen
  • Recherche abschließen

Das Fundament einer Recherche sind die sieben W-Fragen, die wichtigste Checkliste im Journalismus:

  • Wer?
  • Was?
  • Wann?
  • Wo?
  • Wie?
  • Warum?
  • Woher?

Zu Beginn stehen also Überlegungen zu diesen Fragen. Hat man die nötigen Informationen nicht parat, muss man sie beschaffen. Man recherchiert mit diversen Möglichkeiten:

  • Direkte Information am Ort des Geschehens
  • Gespräch mit unmittelbar Betroffenen und Augenzeugen
  • telefonisch Auskünfte einholen, evtl. Stellungnahmen von Behörden
  • um Hintergrundinformationen zu erhalten: den Rat sachkundiger Dritter einholen, die in der Lage sind, das Ereignis zu beurteilen.

Nicht selten bedarf es geschickter Fragen, um vom Gesprächspartner das Gewünschte zu erfahren.

Professionelle Journalisten nützen natürlich die Angebote von Nachrichtenagenturen und Bilddiensten. Vom Agenturcomputer gehen rund um die Uhr die neusten Nachrichten aus aller Welt ein. Die wichtigsten Agenturen in Deutschland sind:

  • Deutsche Presse-Agentur (dpa)
  • Associated Press (AP)
  • Reuters
  • Agence France Presse (AFP)

Neben den „Universalagenturen“ gibt es etliche fachspezifische Agenturen. Beispielsweise „Dow Jones-vwd“ im Wirtschaftsbereich oder für den Sport den Sport-Informationsdienst (sid).

Online-Recherche

Klassische Recherche wird durch das Internet nicht ersetzt, sondern ergänzt um neue Tools im Netz, von denen jeder Journalist profitieren kann. Allerdings: Blind verlassen darf man sich nicht auf die Informationen aus dem Internet. Man sollte stets prüfen, wer als Informant hinter den Berichten steckt, um beispielsweise die Glaubwürdigkeit einer Information einschätzen zu können.

Das Internet ist voller Daten und hinter diesen Informationen verbergen sich Geschichten. Diese Geschichten zu finden und zu erzählen – das ist der Ansatz des datengetriebenen Journalismus. Eines der wichtigsten Recherche-Tools im digitalen Zeitalter ist die Erreichbarkeit des Journalisten. Leser sollten den Journalisten so einfach wie möglich erreichen können – am besten per E-Mail, die unter Artikeln und auf dem Profil des Journalisten im Netz angegeben ist.

Sinnvoll ist es auch, soziale Netzwerke zu beobachten, z.B. die Twitter-Suche. Der Kurznachrichtendienst wird von Journalisten häufig genutzt, um sich ein Stimmungsbild zu einem Thema zu verschaffen – dabei gilt es zu beachten, dass Twitter-Nutzer nicht unbedingt repräsentativ sind. Vor allem für Wirtschaftsjournalisten kann es sich lohnen, Business-Netzwerke wie LinkedIn und Xing im Blick zu behalten.

Um dem Daten-(über)Fluss Herr zu werden, ist es notwendig die Informationen sinnvoll zu sortieren Ein Internet-Tool, das dabei behilflich ist, heißt Google Docs. Es ermöglicht überall Zugriff auf die Recherche-Sammlung, ob auf dem Büro-PC, Mac, Linux-PC oder iPad zu Hause beziehungsweise dem Laptop unterwegs.

Literatur

Gabriele Hooffacker, Klaus Meier: La Roches Einführung in den praktischen Journalismus. 20. Auflage. Wiesbaden (Journalistische Praxis) 2017, Website mit weiterführenden Informationen zum Beruf

Cappon/Fleckenstein: Associated Press-Handbuch. Journalistisches Schreiben

Clark/Winter: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben - Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter

Häusermann: Journalistisches Texten: Sprachliche Grundlagen für professionelles Informieren

Schneider, W. : Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt

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