Reportage

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Ein alter Reporterspruch lautet: ‚Reportage ist Kino im Kopf’, das bedeutet eine Reportage sollte so verfasst sein, dass beim Leser ein Film abläuft in dem er möglichst authentisch ein Ereignis nachvollziehen kann, fast als hätte er es selbst erlebt.

Die Reportage wird häufig als „Hohe Schule des Journalismus“ bezeichnet. Sie ist ein Ereignisbericht meist aktueller Art, der über die Informationsvermittlung hinaus persönliche Eindrücke des Autors enthalten darf. Im Mittelpunkt der Reportage stehen Menschen und Handlungen. Sie kann eine Nachricht ergänzen, nicht aber ersetzen.

Eine Reportage soll neben der detaillierten, anschaulichen Information bunt und abwechslungsreich sein. Dazu ist es nötig, dass der Journalist genau beobachtet und lebendig schreibt. Die folgenden Stilmittel dienen dazu dem Leser das Gefühl zu geben, dabei gewesen zu sein:

  • Zitate
  • auftretende Personen
  • Sinneseindrücke (Geräusche, Gerüche, Farben)
  • Bilder (auch Metaphern)
  • überraschende Gegensätze oder Vergleiche
  • Beispiele
  • Wechsel des Blickwinkels

Die meisten anderen Formen des Journalismus verlangen einen sachlichen, anonymen Stil. Nicht so in der Reportage, hier kann der Journalist eine „flotte Schreibe“ benutzen, mit Ausschmückungen arbeiten, witzige Bemerkungen verwenden. Spielen mit der Sprache ist erlaubt, die Reportage braucht viele Adjektive, aber so wenig wie möglich Passiv, die Hauptzeit ist das Präsens. Lautmalerei, unübliche Kombinationen und Vergleiche erzeugen Neugier!

Aber auch für den Reportagestil gilt: nie zu sehr überladen, die Aufnahmefähigkeit des Lesers nicht mit überlangen Sätzen überfordern. Zwar sollte eine gute Reportage auch Antwort auf die W-Fragen geben, aber bei der Entscheidung, in welcher Reihenfolge dies geschieht, auf welche Informationen man den Schwerpunkt legt und wie die Information sprachlich umgesetzt wird, ist der Autor ziemlich frei.

Wie bei allen anderen Stilformen entscheidet bei der Reportage der erste Absatz, manchmal sogar nur der erste Satz, ob jemand den Artikel komplett liest oder schon zum nächsten Text springt. Bis zum Ende wird eine Reportage dann fesseln, wenn sie in einem langen Spannungsbogen auf einer lebendigen und abwechslungsreichen Ebene bis zum Schluss gehalten wird.

Bewährte Einstiege in eine Reportage:

  • Ein Zitat, das möglicherweise provoziert, neugierig macht
  • Ungewöhnliches als Schocker oder Witziges
  • Der Zoom-Effekt (Ein kleiner Ausschnitt wird detailliert und bunt beschrieben. Das führt langsam zum Weitwinkel und damit zum allgemeinen Rahmen)
  • Ein ungewöhnlicher Gegensatz
  • Eine Szene, häufig in Verbindung mit dem Zoom-Effekt

Wichtig für eine flüssige Reportage ist:

  • richtig beobachten
  • auf Kleinigkeiten achten
  • Zitate aufschnappen
  • Sinneseindrücke (evtl. getrennt) notieren
  • Ambiente/Stimmung aufnehmen
  • Zusammenhänge erkennen
  • mitschreiben, mitschreiben, mitschreiben!

Literatur

Gabriele Hooffacker, Klaus Meier: La Roches Einführung in den praktischen Journalismus. 20. Auflage. Wiesbaden (Journalistische Praxis) 2017, Website mit weiterführenden Informationen zum Beruf

“Das journalistische Interview” von Jürgen Friedrichs und Ulrich Schwingers
“Miteinander Redern” von Schulz von Thun
“Das Interview” von Michael Haller
Müller-Dofel: Interviews führen: Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis

Cappon/Fleckenstein: Associated Press-Handbuch. Journalistisches Schreiben

Clark/Winter: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben - Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter

Häusermann: Journalistisches Texten: Sprachliche Grundlagen für professionelles Informieren

Schneider, W. : Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt

Links

http://www.dpa.com/dpa-news-talent.1006.0.html
Instrumente der Pressearbeit
Was ist Pressearbeit?

http://www.henri-nannen-preis.de/
http://www.abcdesjournalismus.de/so-macht-man-nachrichtenfilme/

https://www.dpa-news.de/start.jsf?nh=prj719.1

http://de.reuters.com/

http://www.afp.com/de/home/

http://www.ddpdirect.de/