Wirtschaftsjournalismus

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Schwerpunkte des Wirtschaftsjournalismus sind volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen, Unternehmensberichterstattung und Börsenthemen.

Geschichte

Über Jahrhunderte stand Wirtschaftsjournalismus synonym für "Handelsjournalismus" – Geschäftsmitteilungen für Handel- und Gewerbetreibende, schreibt Lutz Frühbrodt, Professor an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, im Lehrbuch "Wirtschafts-Journalismus". Auch die Anfänge des Journalismus überhaupt lagen im Wirtschaftsjournalismus: Als Vorläufer der Presse werden die Fugger-Zeitungen angesehen, die Handelsinformationen transportierten. Im 19. Jahrhundert ging der Textteil der Handels- und Wirtschaftsseiten von Tageszeitungen oft nahtlos in den Anzeigenteil über. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts öffnete sich das Ressort für wirtschaftspolitische Themen. Berichte wurden durch Analysen ergänzt.

Mit der »New Economy« rund um das Internet und dem inzwischen zu Grabe getragenen »Neuen Markt« (heute TecDAX) stieg das Interesse vieler Menschen am Börsengeschehen enorm. Seitdem haben sich die Medien stärker darauf eingestellt, die Entwicklungen an den Kapitalmärkten und in den Unternehmen allgemein verständlich, plastisch und oft sogar spannend und unterhaltsam darzustellen. Inzwischen haben sich Serviceseiten und -sendungen auf Grund ihrer großen Beliebtheit auch beim Publikum in den Wirtschafts- und Finanzressorts der überregionalen Medien einen festen Platz erkämpft.

Aufgabe und Zielsetzung

Der serviceorientierte Wirtschaftsjournalismus baut nicht nur Berührungsängste beim Publikum ab, er hat auch Vorbildcharakter: Er reduziert die oft sehr komplexen Sachverhalte aus der Welt der Wirtschaft auf das Wesentliche und übersetzt sie ins Verständliche, er stellt den Verbraucher in den Mittelpunkt und damit die unmittelbaren Auswirkungen auf ihn.

Der Verbraucherjournalismus soll die klassischen Felder befruchten und einen gleichberechtigten Platz neben ihnen einnehmen. Er darf sie aber nicht verdrängen. Denn der Wirtschaftsjournalismus hat die – in den Landespressegesetzen festgeschriebene – Aufgabe, an der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung mitzuwirken. Bei diesem Unterfangen geht es in erster Linie um politische Fragen. Und die großen und kontrovers diskutierten Fragen der Innenpolitik haben heute oft wirtschaftlichen Charakter: Die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik dominiert. Wie sich die Unternehmen entwickeln, ist nicht minder wichtig, sind sie doch zentrale Akteure des wirtschaftlichen Zeitgeschehens. Was bei ihnen passiert, hat oft Auswirkungen auf Branchen oder gar die gesamte Volkswirtschaft.

Einfallstor für die PR

Die Public-Relations-Abteilungen der Unternehmen haben den Nutzwertjournalismus als geeignetes Einfallstor für sich entdeckt – frei nach dem Motto: »Warum über den Umweg des Unternehmensimage werben, wenn es auch direkt über die Produkte geht!« Nicht selten bieten PR-Agenturen oder freiberufliche Autoren, die sowohl für journalistische Medien wie für Auftraggeber aus der PR-Branche arbeiten, »journalistische« Produktvergleiche an.

Die Übermacht der PR, verbunden mit dem Personalabbau in den Medien, ist nicht ohne Folgen für die Arbeit der Wirtschaftsjournalisten geblieben. Die personellen Engpässe lassen immer weniger Zeit für eigenständige und unabhängige Recherchen. Das Recherchieren ist aber gerade für Wirtschaftsjournalisten unabdingbar und meist auch aufwändiger als in anderen Ressorts, denn Unternehmen sind in weit geringerem Maße als zum Beispiel öffentliche Einrichtungen zu Auskünften verpflichtet. Weshalb ihre Public-Relations-Abteilungen den Informationsfluss stärker steuern können.

Literatur